Berg-Karabach

Wir entscheiden uns, Richtung Berg-Karabach zu fahren und an der Grenze die notwendigen Formalitäten abzuklären. Die Grenze liegt an einem tief eingeschnittenen Flüsschen. Ein Schild bittet den Reisenden u.a. auch auf Englisch für den bevorstehenden Formalitätsaufwand um Entschuldigung. So freundlich wurde uns noch nie ein Grenzübertritt angekündigt, was doch schon einen positiven Eindruck hinterlässt. Bei unserem Eintreffen sind gerade drei junge Deutsche, die beruflich in Berg-Karabach zu tun haben, mit den Zollformalitäten beschäftigt. Da sie das kleine, kriegsversehrte Land gut kennen, erhalten wir von ihnen wertvolle Informationen. Die Einreise sollte demzufolge kein Problem sein, das Visum muss man dann in der Hauptstadt Stepanakert besorgen.

So fahren wir weiter und finden schon bald bei einer Kirche einen Übernachtungsplatz. Nach einer ruhigen Nacht geht es auf der kurvenreichen aber sehr gut ausgebauten Strasse weiter in die Berge hinein und über einen Pass, bis wir dann mit Shushi die erste Stadt in Berg-Karabach erreichen. Die einst schöne, hoch über der Hauptstadt Stepanakert gelegene Stadt ist im Krieg weitgehend zerstört worden. Von hier aus haben die Aserbeidschaner Stepanakert beschossen. Aufbauarbeiten sind aber im Gange und zumindest die Kirche erstrahlt wieder im alten Glanz.

Die Hauptstadt mit ihren 40'000 Einwohnern ist sauber und übersichtlich und so ist das Büro für Auswärtige Angelegenheiten, wo wir die Visa erhalten, bald gefunden. In einem Reisebüro erstehen wir eine Landeskarte, wo die den Touristen zugänglichen Gebiete eingezeichnet sind und sogleich machen wir uns auf den Weg zur wohl wichtigsten Sehenswürdigkeit von Berg-Karabach, dem Kloster Gandzasar. Die wiederum überraschend gute Strasse führt durch eine dicht bewaldete Bergwelt zum steil über dem Dorf Vanh gelegenen Kloster.

Auch Gandzasar ist nicht nur ein Museum oder eine Touristen-Attraktion, sondern ein Ort, wo die christliche Religion nach wie vor zelebriert wird.

Geschnitzte Holztüre beim Kloster Gandzasar

Kreuzsteine beim Kloster Gandzasar

Blick vom Kloster Gandzasar in die dicht bewaldete Bergwelt von Berg-Karabach. Leider war während unseres Aufenthaltes das Wetter nicht gerade optimal. Einzig der frühe Morgen war jeweils noch wolkenfrei, doch schon bald zog dann dichter Nebel mit Nieselregen auf. So machte es keinen Sinn, auf schmalen, unbefestigten Bergsträsschen weiter zu fahren, was wir sehr bedauerten, denn es wäre bestimmt eine spannende Fahrt geworden.

Öffentliches Verkehrsmittel in Berg-Karabach

Entlang der Strassen sieht man immer wieder Grabsteine, die teilweise sehr authentisch den Unfallhergang wiedergeben. Ironischerweise wurden wir in der Nähe dieses Exemplars im dichten Nebel beinahe selber in einen Unfall verwickelt.

Uns reizt es, in die bereits im Flachland Aserbeidschans gelegene – und für Touristen offiziell gesperrte – Stadt Agdam zu fahren. Agdam zählte vor dem Krieg 100'000 Einwohner und soll heute eine riesige Geisterstadt sein. So schwenken wir statt zur westwärts gelegenen Hauptstadt ostwärts ab. Sollte uns ein Checkpoint anhalten, würde uns dann schon eine Ausrede einfallen. Doch niemand kümmert sich um uns und so suchen wir in dem viele Quadratkilometer grossen Ruinen- und Trümmerfeld nach dem ehemaligen Stadtzentrum. Kein einziges Haus ist mehr intakt. Brauchbare Gegenstände wie Küchengeräte, Armaturen, Rohre, Kupferleitungen etc. sind schon längst entfernt worden.

Zwei noch intakte Minarette lassen darauf schliessen, dass sich hier das Stadtzentrum befunden hat. Doch das einst quirlige Leben ist verschwunden. Wer noch konnte, ist geflüchtet – rund 1 Million Aserbeidschaner haben ihr Hab und Gut verloren.

Die Natur erobert sich die Stadt zurück, sehr zur Freude der Rinder.

Ruine mit Resten eines sozialistischen Mosaiks in Agdam

Ein russischer Panzer, wie er im Krieg zum Einsatz kam, steht in der Nähe von Agdam auf dem "Siegerpodest"

Ausführliche Hintergrund-Informationen über den Karabach-Konflikt finden Sie hier
 

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