Zentralafrika

Teil 3: Yaoundé, Kamerun, bis Grenze Namibia

 

Gabun erfreut uns durch abwechslungsreiche Landschaft, die noch weitgehend mit Regenwald bedeckt ist.

"Das neue Land überrascht gleich von Anfang an. Die Fähre ist für einmal kostenlos, die Einreise verläuft problemlos und korrekt, und statt der erwarteten Lehmpiste geht es erneut auf einer nagelneuen Teerstrasse durch den immergrünen tropischen Wald. Hin und wieder gehen Frauen dem Strassenrand entlang und tragen ihre schwere Last nicht mehr wie zuvor in den westafrikanischen Ländern auf dem Kopf balancierend, sondern in Körben auf dem Rücken – einem Rucksack ähnlich.

Gabun ist nur dünn besiedelt, doch auch in diesem Land muss man ständig mit lästigen Polizeikontrollen rechnen –, nun noch mit der Steigerung, dass diese Obrigkeiten nicht einmal mehr ihren Hintern bewegen, sondern einfach faul im Schatten hocken bleiben und uns zu sich hinwinken, um umständlich Dokumente zu prüfen und registrieren."

 

Eine halbe Tagesreise geht es wieder zurück bis zu jener Weggabelung, die wir vor bald zwei Wochen schon einmal passiert haben. Eine schmale Eisenbrücke bringt uns über einen reissenden Fluss auf die Piste nach Franceville.

Nur selten lässt der dichte Dschungel einen freien Blick auf das weite, bergige Land zu. Der noch weitgehend unversehrte, riesige Wald ist eines der letzten Rückzugsgebiete der Pygmäen sowie bedrohter Tierarten, wie beispielsweise der seltenen Waldelefanten. Eine für das Auge undurchdringliche Pflanzenmauer verbirgt Mensch und Tier, doch zeugen die vielen unübersehbaren Losungshaufen von der Anwesenheit der scheuen Elefanten.

Die Fahrt erweist sich als äusserst spannend, denn hinter jeder Biegung könnten ja ein Elefant, ein anderes Wildtier, oder aber Banditen oder Rebellen auf dem schmalen Waldweg stehen. Auf dieser einsamen, kaum befahrenen Strecke ist es daher ein beruhigendes Gefühl, im Rückspiegel den Toyota unserer Freunde zu sehen, zumal uns über die aktuelle Sicherheitslage in diesem Land nicht viel bekannt ist. Wir fahren deshalb immer in Sichtweite, um notfalls Warn­zeichen geben zu können und so wenigstens einem Fahrzeug die Flucht zu ermöglichen. Für die Nacht suchen wir uns jeweils einen durch das Pflanzendickicht gut abgeschirmten Platz, der uns wiederum am geheimnisvollen Leben und der fremdartigen, infernalischen Geräuschkulisse des Dschungels teilhaben lässt.

Doch auch in Zentralafrika wird der Urwald dezimiert

Suche nach der besten Spur im Kongo. Die ganz grosse Schlammschlacht bleibt uns aber erspart - der Regen kommt erst später, nachdem wir die schwierigen Passagen bereits hinter uns haben.

Landschaftswechsel im Kongo - der Regenwald öffnet sich zur Savanne.

Schon ein Stück vor Franceville hat sich der Wald geöffnet und einer Savanne mit wogendem Gras Platz gemacht. Man könnte meinen, diese Graslandschaft würde sich für Viehhaltung eignen, doch sucht man vergebens nach Rindern oder Schafen.

Auf dem Weg nach Brazzaville, Kongo.

"Am nächsten Morgen suchen wir wieder einmal den Weg – oder besser den richtigen Feldweg – zu einer Landesgrenze. Wir folgen zwei tiefen, über sanfte Hügel führenden Sandspuren. Hätten wir nicht die Frau eines Grenzbeamten als Mitfahrerin dabei, würden wohl grosse Zweifel an uns nagen, auf dem richtigen Weg zu sein. Dann taucht der Schlagbaum aber doch noch auf. Statt sich für das Mitnehmen seiner Gattin erkenntlich zu zeigen, macht uns der Grenzer unerwartet Schwierigkeiten. Dabei wurden alle erforderlichen Formalitäten bereits 40 Kilometer zuvor erledigt. Partout will der Kerl die Schranke nur gegen Bezahlung von 40’000 CFA – immerhin etwa 70 Euro – öffnen. Wir bleiben aber ebenfalls stur, denn Afrika hat uns schon längst gelehrt: Ist in Europa Zeit gleich Geld, so ist in Afrika Geduld gleich Geld. Wir essen zuerst einmal in aller Ruhe zu Mittag und einigen uns nach einigem Hin und Her schliesslich auf 1’000 CFA und eine Bronzemedaille. Der Grenzer gibt uns dann noch die Drohung „im Kongo kommt ihr nicht mehr so glimpflich davon!“ mit auf den Weg. Diesbezüglich könnte er sogar Recht haben: Zuviel ist uns schon über die kongolesischen Raubritter in Staatsdiensten zu Ohren gekommen.

Vorerst bleiben die Blutsauger aber aus, und wir werden bei Kontrollposten freundlich, wenn auch etwas irritiert begrüsst, da diese Strecke bis vor kurzem kaum befahrbar war und sich deshalb wohl schon seit längerem keine Touristen mehr hierher verirrt haben dürften. Erst kürzlich hat eine französische Firma neue, stabile Betonbrücken über die verschiedenen Wasserläufe errichtet. Zuvor gab es in der Trockenzeit vielleicht ein mühsames, in der Regenzeit jedoch überhaupt kein Durchkommen. Das Ausbleiben von unberechtigten Forderungen scheint aber auch zu belegen, dass nicht zuletzt die Touristen selber Staatsangestellte auf die Idee bringen, ihr zugegeben meist bescheidenes, manchmal auch ganz ausbleibendes Gehalt auf diese Weise aufzubessern. Der Auslöser kann ein ungeduldiger Tourist oder Chauffeur sein, der die Abfertigung durch ein „Geschenk“ etwas beschleunigen will und damit den Funken für weitere, weitaus höhere Begehrlichkeiten zündet."

Lkw auf dem Weg nach Brazzaville. 

"Erwartungsgemäss ist die Fähre nach Kinshasa mit Menschen und Fracht vollgestopft. Sie ist gerade breit genug, um unsere Fahrzeuge quer zur Fahrtrichtung knapp aufnehmen zu können. Zuvor müssen aber noch schwere Säcke weggeräumt werden. Nach einigen komplizierten Manövern legt die Fähre dann endlich ab und macht sich daran, den an dieser Stelle rund 20 Kilometer breiten Kongo zu überqueren. Träge treiben auf dem lehmigen Wasser schwimmende Hyazintheninseln, und eine sogar noch überladenere Fähre als die unsere stampft in Gegenrichtung an uns vorbei."

Blick von der Fähre auf die Skyline von Kinshasa. "Kurz bevor wir im Hafen von Kinshasa anlegen, nähern sich einige Pirogen, und mehrere Burschen springen mit einem weiten Satz auf unsere Fähre. Zuerst denken wir, es handle sich um fliegende Händler. Als die Passagiere aber ihre Habseligkeiten packen und panisch die Flucht ergreifen und Wachmänner mit Schläuchen auf die Burschen einzudreschen beginnen, wird langsam klar, dass es sich um Diebe, um das Schiff enternde Piraten der Neuzeit handeln muss. Alles was nicht niet- und nagelfest ist, wird geklaut. Wir schliessen Türen und Fenster, während Marcel seine am Heck des Toyotas befestigten Kanister unter Mithilfe eines mit Schläuchen um sich schlagenden Wachmannes verteidigen muss.

Mit gewagten Sprüngen retten sich die ersten Passagiere ans Ufer. Immer mehr Menschen drängen, schubsen, stossen einander gegenseitig die Uferrampe hinauf. Das Chaos ist nicht mehr zu überbieten. Mit gemischten Gefühlen können auch wir endlich die Rampe hochfahren und im abgeschirmten, daher etwas geord­neteren Hafengelände parken, um ein weiteres Mal umständliche Formalitäten in Angriff zu nehmen."

Das grüne Angola ist landschaftlich sehr abwechslungsreich. Wir durchqueren weite Savannen und überqueren Bergzüge von denen man dann einen Blick auf das nur dünn besiedelte Land werfen kann.

Beispiel einer Piste in Angola. Die Regenzeit hatte uns inzwischen auch im Griff.

"Noch bei Morgendämmerung verlassen wir den Ort. Niemand hält uns auf. Die Strasse ist vor allem an Steigungen stark ausgewaschen. Einer Gratwanderung gleich müssen die Fahrzeuge entlang der tiefen Wassergräben balanciert werden. Nimmt die Auswaschung eine Richtungsänderung vor, muss man sie queren, was die Karosserie ob der grossen Verwindungen ächzen und stöhnen lässt. Manchmal müssen wir auch wieder zurücksetzen, um an einer weniger tiefen Stelle einen Übergang zu finden. Wir passieren zerschossene oder auf Minen aufgefahrene Lastwagenwracks, einen abgestürzten Hubschrauber sowie mehrere zerstörte militärische Anlagen. Aus der grünen Landschaft erheben sich immer wieder Granitberge, an die sich schmucke Dörfer schmiegen. Ein friedliches, reizvolles Bild, wären da nicht die vielen Spuren des Krieges."

Vor Minen wird selten gewarnt. Es ist daher schwierig zu beurteilen, wo diese feigen Waffen lauern.

Der Spuren des langjährigen Bürgerkrieges sind unübersehbar. Entlang der Strasse sehen wir abgeschossene Hubschrauber oder zerschossene Lkw-Konvois und Hausruinen.

Die Menschen freuen sich über das Ende des unsäglichen Krieges, und der Anblick von Touristen beweist ihnen wohl auch, dass langsam aber sicher wieder Normalität einkehrt.

Die miserablen Strassen fordern ihren Tribut: Die Stabilisator-Aufhängung ist aus dem Chassis gerissen.
In Luanda können wir den Defekt beheben und die Befestigung verstärken. Die Werkstätte befindet sich gleich gegenüber einer qualmenden und stinkenden Müllhalde.

Erosions-Landschaft südlich der angolanischen Hauptstadt Luanda

Eine Schlucht im zentralen Angola.

"Die vorerst weiterhin gute Strasse führt uns nach Süden. Immer näher rücken die Berge des angolanischen Hochlandes und öfters überqueren wir Flüsse, die jetzt – auf dem Höhepunkt der Regenzeit – viel Wasser führen. In die wunderschöne, fruchtbare Landschaft eingebettet, sieht man hin und wieder einstmals herrschaftliche Fazendas der Portugiesen, die nun aber nur noch verlassene Ruinen sind."

Im Süden Angolas sind die Strassen auch nicht besser. Die von den Portugiesen erbauten Asphaltstrassen lösen sich zunehmend auf und man sucht sich den Weg durch Busch....

... und Feld ...

... oder quält sich, wenn's nicht anders geht, eben doch durch die Löcher.

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