Südliches Afrika 3

Teil 6: Republik Südafrika

Europa in Afrika: Altes Haus im kapholländischen Stil.

"Südafrika wurde zur Alkohol-Tankstelle der Seefahrer. So findet man in den Gewölben der riesigen KWV-Genossenschaft (Kooperatieve Wijnbouwers Vereiniging) gar die weltweit grössten Holzfässer. Mehr als eine Viertelmillion Liter beinhaltet ein einziges Fass. Zwar sind die Riesenfässer heute immer noch im Gebrauch, aber nicht mehr zur Herstellung von Wein. Nach der politischen Wende und dem dadurch ermöglichten freien Welthandel wurde die Produktion schnell auf Qualität statt Quantität umgekrempelt. Die Voraussetzungen sind denn auch hervorragend: viel Sonnenschein, die kühlende Meeresnähe und die Bodenqualität ermöglichen absolut erstklassige Weine. Die südafrikanischen Produzenten haben sich bereits einen Spitzenplatz auf dem Weltmarkt erobert, ein Ende der laufenden Qualitätssteigerung ist aber noch nicht abzusehen. Natürlich lassen auch wir uns von der Klasse der Kapweine überzeugen. Viele Weingüter bietenin einmaligem Ambiente ungezwungene Kostproben an."

Ein wichtiges Etappenziel ist nach 1 Jahr und 40'000 Kilometern erreicht: Kapstadt

"Fast genau ein Jahr ist es her, seit wir in Marokko afrikanischen Boden betreten haben, und nun sehen wir ihn zum ersten Mal: den berühmten Tafelberg. Wie von zahlreichen Abbildungen her bestens bekannt, trägt er auch heute eine Mütze aus weissen Wolken. Zu seinen Füssen liegt das Häusermeer von Kapstadt. Die Metropole lehnt sich mit dem Rücken an die steilen Flanken des Berges und tunkt ihre Füsse im Ozean. Die Lage der Stadt ist einmalig, denn hier kommt alles zusammen: der Berg und das Meer, das Wasser und die Sonne, der Atlantik und der Indische Ozean. Auf breiter Autobahn rollen wir nun an Wolkenkratzern vorbei in die City. Das Kap ist für sein wechselhaftes Wetter bekannt, und da es sich heute von der garstigen Seite zeigt, steuern wir als Erstes den Hafen und die „Waterfront“ an. Hier wurden historische Hafengebäude, ehemalige Lagerhallen oder Pumpenhäuser in moderne Geschäftshäuser mit Hunderten von Läden, Restaurants und Amüsierbetrieben umgestaltet. Mit dem Afrika, das wir während der letzten Monate kennen gelernt haben, hat das definitiv nichts mehr zu tun. Aber wir geniessen es, unbekümmert durch diesen gigantischen Konsumtempel zu streifen und den zahlreichen musikalischen, schauspielerischen oder künstlerischen Darbietungen zuzuschauen."

Blick vom Tafelberg auf Kapstadt. Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in und um Kapstadt sind rollstuhlgängig.

"An Sehenswürdigkeiten mangelt es in und um Kapstadt wahrlich nicht. Eine moderne, sich um die eigene Achse drehende Seilbahn bringt uns in wenigen Minuten auf den 1’000 Meter hohen Tafelberg, von wo man bei klarem Wetter eine unvergleichliche Aussicht auf den Häuserdschungel der Metropole, den tiefblauen Südatlantik, das bergige Hinterland mit seinen fruchtbaren Tälern und natürlich auch zum „Kap der Guten Hoffnung“ hat. Die Südspitze des sturmumtosten Kaps ist dann ein weiterer unvergesslicher Ausflug, und es wäre wirklich zu schade, die Kaphalbinsel in nur einem Tag zu umrunden, denn da gibt es den wunderschönen Botanischen Garten „Kirstenbosch“, wildromantische Buchten oder herrlich weisse Sandstrände zwischen glattgeschliffenen Felsen, auf denen sich zuweilen auch Pinguinkolonien tummeln."

Das schönste Ende der Welt: Die Kapregion

Am Kap der Guten Hoffnung.

"Der südliche Teil der Kaphalbinsel ist als Nationalpark ausgewiesen. Zahlreiche Wege führen durch einzigartige Vegetation zu verschiedenen Aussichtspunkten, und eine Standseilbahn bringt den Besucher bequem zum Cape Point, dem schroffen, steil abfallenden Ende der Halbinsel. Gewaltige Brecher hämmern gegen die Felsen und bearbeiten unablässig die Form der Küste. Solche Strömungs- und Windverhältnisse wie hier gibt es sonst nirgendwo auf der Erde. Von den gefürchteten Wetterstürzen konnten wir uns während der letzten Tage selber überzeugen. Ein wolkenloser, heisser Sommertag kann sich schnell in einen stürmischen und regnerischen Herbsttag verwandeln. Dabei drehen die Winde oft im Handumdrehen um 180 Grad. Die wie eine Klaue in den Atlantik hinausragende Kaphalbinsel bekommt das schlimmste Wetter ab. Der britische Seefahrer Sir Francis Drake soll das „Kap der Guten Hoffnung" als die schönste Landzunge der Erde bezeichnet haben. Für die meisten anderen Seefahrer war es einfach das „Kap der Stürme" – und ein Schiffsfriedhof. Nicht weniger als 1’600 Schiffe sollen rund um das Kap auf dem Meeresgrund liegen."

 

Den Afrikanischen Pinguin findet man nur an den Küsten der Südspitze des Kontinents - dafür manchmal sogar an den Stränden besiedelter Gebiete.

Zwischen Juni und November halten sich die Wale in den geschützten Buchten um die östliche Kaphalbinsel auf, und zu Recht wird diese Gegend als eine der besten Walbeobachtungsmöglichkeiten unseres Planeten gepriesen. Wir sind zur richtigen Jahreszeit hier und können immer wieder Wale verfolgen, die beinahe zum Anfassen nahe der Küste entlang ziehen."

Der südlichste Punkt Afrikas liegt aber nicht am „Kap der Guten Hoffnung“, sondern etwa 200 Kilometer südöstlich davon. Auf dem Weg dorthin durchfahren wir riesige Weizenfelder, die erst kurz vor der Küste unter dem Einfluss des rauen Meeresklimas enden. Im Vergleich zu Cape Point endet der Afrikanische Kontinent hier unspektakulär in den Weiten des Meeres, oder richtiger der Meere, denn Cape Agulhas gilt offiziell auch als jener Punkt, wo der kalte Atlantik mit dem warmen Indischen Ozean zusammentrifft. Aber exakt ist diese Stelle natürlich nicht zu eruieren, da die beiden Meere, beziehungsweise der kalte Benguelastrom und der warme Agulhasstrom, einem ständigen Kräftemessen unterliegen, das je nach jahreszeitlichen Wassertemperaturen oder Windstärken mal den einen, mal den anderen Ozean weiter ins gegnerische Feld vordringen lässt. Nun stehen wir nach Indien, Australien und Südamerika an einer weiteren Südspitze einer Landmasse der südlichen Hemisphäre. Für uns bedeutet Cape Agulhas aber auch der Wendepunkt dieser Reise: Von nun an wird unsere Fahrt hauptsächlich in nördlicher Richtung verlaufen – ab hier befinden wir uns auf dem Nachhauseweg.

Maskenweber beim Nestbauen

 

Breitmaulnashörner beim Grasen im Hluhluwe Park. In diesem abwechslungsreichen Park kann man mit grosser Wahrscheinlichkeit Nashörner sehen.

Im Krüger-Nationalpark hat man gute Chancen, Löwen zu sehen.

Sie tut gut daran, wachsam zu sein.

Für einmal aus einer anderen Perspektive: Giraffe sucht zwischen den Dornen nach saftigen Akazienblättern.

Seltenes Bergzebra im Mountain-Zebra-Park.

Einsame Passstrasse in den Swartberg Mountains

Eigenartige Pflanzenwelt in den Swartberg Mountains

Nach so viel Historie und europäischer Kultur wird es Zeit, wieder einmal die afrikanische Wildnis zu verspüren. Wir verlassen das fruchtbare Küstengebiet und steigen hinauf zur Karoo, einem wüstenhaften Hochplateau, das sich über etwa einen Drittel der Landesfläche Südafrikas ausbreitet. Der Swartberg ist wohl der schönste und eindrücklichste von mehreren auf das Plateau führenden Pässen. In vielen Serpentinen windet sich die Schotterstrasse durch die wilde Landschaft. Die Passstrasse wurde bereits 1888 für die Benützung schwerer Ochsengespanne fertiggestellt. Sie ist ein weiteres Beispiel der beeindruckenden Schaffenskraft der damaligen Siedler. Beinahe auf Passhöhe weist eine Tafel auf einen Abstecher in „Die Hell - Die Hölle“ hin. Das Strässchen schlängelt sich über 60 Kilometer durch einsame Berglandschaft, überwindet mehrere Anhöhen, um sich dann endlich in das tiefe Tal „der Hölle“ zu stürzen. Hier, in diesem versteckten und vom Rest der Welt abgeschiedenen Tal lebte ab 1830 eine Gemeinschaft von Buren in selbstgewählter Einsamkeit. Sie bauten sich ihre Häuser aus dem Material, das sie im Tal vorfanden: Steine für das Fundament, Lehm für die Backsteine der Mauern, Holz für Öffnungsstürze und Dachgiebel, Stroh für das Dach. Sie waren gezwungenermassen Selbstversorger, bauten Weizen an, zogen Gemüse und Früchte, hielten Rinder und Ziegen, die ihnen Fleisch und Milch lieferten und Esel, die sie bei der schweren körperlichen Arbeit unterstützten. Mit grossem Fleiss erzielten sie Überschüsse, die durch Dörren und andere Konservierungsmethoden haltbar gemacht wurden. Getrocknete Bohnen und Früchte, Samen, Nüsse oder Honig wurden dann alle paar Monate mit langen Eselskarawanen durch wilde Schluchten und über schwindelerregende Saumpfade in weit entfernte Siedlungen zum Markt oder zu Direktkäufern gebracht. Mit dem Erlös konnten die „Höllenbewohner“ all jene Notwendigkeiten, manchmal sogar kleine Luxusgüter, erstehen, die sie nicht selber herstellen konnten. Seinen Namen „Die Hölle“ erhielt das Tal von den wenigen auswärtigen Besuchern wie Ärzten oder Viehinspektoren, die diese beschwerliche Reise aus beruflichen Gründen auf sich nehmen mussten und dabei jeweils beim Anblick des halsbrecherischen Pfades ein schicksalsergebenes „Es ist die Hölle!“ von sich gegeben haben sollen. Nicht eindeutig geklärt ist, wie das verborgene Tal von den ersten Siedlern entdeckt wurde. Vielleicht waren es Mitglieder des „Grossen Trecks“, die während der Suche nach versprengtem Vieh zufällig das Tal entdeckten und sich folglich hier niederliessen.

Erst 1959 begann die Regierung mit dem Bau einer Strasse in das weltabgeschiedene Tal, die dann 1962 dem Verkehr übergeben wurde. Sensationshungrige Reporter beschrieben diese vergessene und nun wieder entdeckte Gemeinde in reisserischen Zeitungsberichten als „rückständige Halbwilde“, was bald einen Strom Schaulustiger in das Tal lockte. Die während 130 Jahren in Frieden und Ruhe in ihrem kleinen Paradies lebende Gemeinde von etwa 120 Seelen fühlte sich ob diesem plötzlichen Rummel gestört und verliess ironischerweise – jetzt, wo die tagelange Plackerei einer Reise zum Rest der Welt ein Ende hatte und sogar eine Telefonleitung gelegt worden war – daraufhin nach und nach das Tal. Die Häuser verfielen und „Die Hölle“ drohte in Vergessenheit zu geraten. 1991 erkannte die Regierung den historischen Wert und den landschaftlichen Reiz des Tales und deklarierte es als Naturreservat. Die Häuser wurden und werden weiterhin laufend restauriert, und eines von ihnen beherbergt nun ein Besucherzentrum, wo wir vom freundlichen, schon seit zwölf Jahren hier lebenden Aufsichtsehepaar gleich zum Tee eingeladen werden und dabei die interessante Geschichte der „Hölle“ erzählt bekommen.

 

Auf dem Weg zur "Hölle", einem abgeschiedenen Tal in den Swartberg Mountains.

Der steile Sani-Pass führte uns auf das Dach Afrikas, ins Hochland von Lesotho

"Am Morgen hat sich der Nebel wieder verzogen. Nachdem die kleine Hochebene durchquert ist, steigt die Strasse nochmals zur eigentlichen Passhöhe an. 3’250 Meter zeigt der Höhenmesser dort an. Gleich nebenan erhebt sich der höchste Berg des Königreichs. Obwohl der Thabana Ntlenyana mit seinen 3’482 Metern auch noch der höchste Gipfel Afrikas südlich des Kilimandscharos ist, ist er nur unwesentlich höher als der Pass selbst. Unter uns breitet sich ein endlos scheinendes Meer von Berggipfeln aus. Lesotho ist das einzige Land der Welt, das mit seinem ganzen Staatsgebiet über einer Höhe von 1’000 Metern liegt; es wird deswegen auch als 'Königreich im Himmel' bezeichnet."

Mit einfachsten Mitteln wird im Bergland von Lesotho versucht, der harten Scholle etwas abzuringen.

Ausblick auf die 3 Rondavells beim Blyde River Canyon

Traditionell gekleidete Ndebelefrau vor dekoriertem Haus. Das Volk ist durch ihre eigenwillige Kunst berühmt geworden.

Bevor wir Südafrika endgültig hinter uns lassen, wollen wir noch das für ihre kunstvoll bemalten Häuser berühmt gewordene Volk der Ndebele aufsuchen. In einem von Touristen wenig frequentierten Museumsdorf kann man die Entwicklung der verschiedenen traditionellen Haustypen über einen Zeitraum von tausend Jahren verfolgen. Die dekorativen Naturfarben wurden in neuerer Zeit durch intensivere Kunstfarben ersetzt. In den Wandmalereien werden Gegenstände ab strahiert, wie sie die Ndebele in der Begegnung mit der Kultur der Weissen kennen gelernt hatten. So werden beispielsweise die geometrischen Formen der Rasierklinge oder Buchstaben des Alphabets nachempfunden. Genauso farbenprächtig wie die Wandmalereien sind die Kleidungs- und Schmuckstücke der Frauen, die auch dazu dienen, den Familienstatus anzuzeigen. Bei unserer Weiterfahrt können wir aber keine Beispiele lebender Ndebele-Dörfer sehen. Stattdessen ziehen die üblichen Wellblechhütten oder Zündholzschachtel-Häuschen neueren Datums an uns vorbei. Die Kultur der Ndebele dürfte wohl höchstens noch im Museum oder auf Souvenirs für Touristen weiterleben.

 

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