Mosambik

Teil 7: Mosambik

Mosambik - ein tropisches Land mit Millionen von Kokosnusspalmen

 "Die überraschend gute Strasse führt weiter durch üppige Landschaft mit schönem Mango- und Cashewnuss-Baumbestand. Bizarre, zuckerhut- oder kegelförmige Granitberge erheben sich abrupt aus dem grünen Pflanzenmeer. Rechteckige Lehm- oder Bambushütten mit bis fast zum Boden reichenden Strohdächern reihen sich entlang der Strasse und bilden so ein schier endloses Dorf. Vor den Hütten werden Mangos, Ananas, Bananen, Brennholz, Holzkohle oder geflochtene Stühle zum Verkauf angeboten. In wunderschöne Tücher gekleidete Frauen balancieren Wasserkanister oder mit Mangofrüchten gefüllte Eimer auf dem Kopf oder bearbeiten mit einer kurzen Hacke die Felder. Es ist ein Bilderbuch-Afrika, durch das wir hier fahren, und sogar über die Polizei kann man sich freuen, denn die hauptsächlich an Provinzgrenzen stationierten Kontrollen winken uns meistens freundlich durch."

Die Ilha Mosambik ist durch eine 3'500 Meter lange Brücke mit dem Festland verbunden. Den ersten Ausflug auf die Insel unternehmen wir per Fahrrad und Rollstuhl ...

.. den zweiten dann mit unserem Auto. Es zeigt sich wieder einmal, wie vorteilhaft kompakte Fahrzeuge sind. Der Gewichtslimite von 2'500 Kilogramm haben wir keine Beachtung geschenkt - die Brücke steht aber immer noch. 

Ilha Mosambik

Ilha Mosambik

"Der auf Distanz suggerierte Eindruck eines kolonialen Schmuckkästchens wird beim Näherkommen aber bald relativiert, denn die einstige Pracht liegt mehrheitlich in Ruinen. Dazwischen nimmt der afrikanische Alltag der etwa 7’000 Inselbewohner seinen Lauf. Im nördlichen, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Teil der Insel, sind hingegen bereits einige koloniale Paläste oder Amtsgebäude renoviert worden. Es sind jedoch noch gewaltige Leistungen zu vollbringen, bis Ilha Mosambik in ähnlichem Glanz erstrahlt, wie es heute etwa San Salvador im ebenfalls ehemals portugiesischen Brasilien vermag. Allerdings muss es dort wohl auch einmal so ähnlich ausgesehen haben. Dafür bietet sich hier dem interessierten Besucher noch die seltene Gelegenheit, ohne Touristenrummel und seine oft lästigen Nebenerscheinungen durch ein lebendes Freilichtmuseum zu streifen und nach Zeugnissen der äusserst bewegten Vergangenheit, nach versteckten Feinheiten wie herrlichen Portalen, Schnitzereien oder Ornamenten zu suchen. Ob all des Entdeckens und Forschens vergeht die Zeit im Fluge, und die Sonne steht schon tief, als wir die Rückfahrt in Angriff nehmen. Dank Rückenwind kommen wir nun um einiges rasanter voran, und so bleibt auch noch Zeit, dem Versinken des glutroten Feuerballs hinter dem Horizont zuzuschauen."

"Ab 1498 bauten die Portugiesen die Insel zu ihrem ersten ständigen Stützpunkt an der afrikanischen Ostküste aus. Zuvor befand sich hier schon seit rund tausend Jahren ein arabischer Handelsstützpunkt, der von einem Scheich namens Moussa Ben Mbiki beherrscht wurde. Die portugiesisch gefärbte Variante seines Titels gab dann vorerst dem Eiland und später der ganzen Kolonie den Namen Mosambik. Während Jahrhunderten war Ilha Mosambik Hauptstadt und Verwaltungszentrum der Kolonie und profitierte vom florierenden Elfenbein-, Gold- und Sklavenhandel. Holländer, Engländer, Araber und Franzosen wollten die strategisch wichtige Festung immer wieder an sich reissen, doch das Fort erwies sich als uneinnehmbar. Als dann die Expansionsgelüste der Buren und Engländer einen Umzug der Hauptstadt in den Süden der Kolonie erforderte, verlor Ilha Mosambik an Bedeutung, und die Stadt geriet in Vergessenheit."

Junge in Ilha Mosambik

Da heute Sylvester ist, hat Elena, die rührige Eigentümerin des Campingplatzes, für den Abend eine Strandparty angesagt. Emsiges Treiben ist nun im Gange: Tische, Stühle und Feuerholz werden herangekarrt, eine Lautsprecheranlage wird installiert, und ein mit singenden und trommelnden Menschen vollgestopfter Kleinbus kommt angefahren. Wie sich bald herausstellt, handelt es sich dabei um die von Elena engagierte Tanzgruppe. Zweifellos, da tut sich etwas. Um zehn Uhr wird dann die Party mit dem wunderschönen Gesang des vielköpfigen Frauen-Ensembles eröffnet. Unten am Strandsaum spiegeln sich drei grosse Feuer auf der spiegelglatten, dunklen Wasseroberfläche, auf den weit voneinander platzierten, nett gedeckten Tischen flackern Petroleumlampen, und durch das lichte Blätterdach der Palmen glitzert der südliche Sternenhimmel. Die Frauen singen melodiöse Lieder und bewegen sich anmutig zum Rhythmus der Trommeln. Es ist eine bezaubernde Szenerie.

Nur das angekündigte Büffet ist nirgends zu sehen und lässt auch noch bis weit nach Mitternacht auf sich warten. So hungrig sind wir wirklich noch nie in ein Neues Jahr gerutscht. Inzwischen sind auch noch andere Gäste eingetroffen, aber die erwartete, bis zum Tagesanbruch dauernde Party, wie wir es vor Wochenfrist an Weihnachten erlebt hatten, stellt sich nicht ein. Kaum haben wir unsere Teller leer gegessen, wird auch schon mit dem Abräumen begonnen, und bald sind wir die einzigen verbliebenen Gäste. Längst ist der Gesang verstummt. Stattdessen plärrt nun bei voll aufgedrehter Lautstärke Musik aus der Konserve und lässt die betagten Lautsprecher hässlich scheppern, brummen und dröhnen. Die Botschaft ist klar: Elena will Feierabend machen.

In Afrika ist man selten allein. Diese Kinder gaben uns bei einem Übernachtungsplatz ein Ständchen.

Auf dem Weg zur tansanischen Grenze

Die letzten Meter in Mosambik führten über die improvisierte Abfahrt auf die Fähre über den Rio Rovuma. Doch das ist Vergangenheit, denn heute kann man den Grenzfluss komfortabel über eine neu erstellte Brücke queren.

"In Begleitung von Joaquim „rutschen" wir Richtung Fluss. Nochmals sind ausgewaschene und steile Abfahrten zu meistern, und prompt schlittert „Beni" seitlich in einen Graben. Ich verliere den Halt und schlage heftig mit der Schulter an die Türe. „Jetzt ist es passiert, jetzt sind wir umgekippt!", geht es mir augenblicklich durch den Kopf. Aber so schlimm ist es Gott sei Dank nicht. Wir stehen noch, wenn auch bedenklich schräg – so schräg, wie noch nie zuvor! Aber die Räder finden irgendwie wieder Halt, und vorsichtig können wir uns weiter vorantasten und auf den Weg zurückarbeiten. Etwas später ist nochmals ein ähnliches Hindernis zu meistern. Nun legen Sonja und Joaquim Äste in die Auswaschungen und hacken die schmierige Oberfläche zu griffigerem Sand auf. Die Mühe lohnt sich, denn die Räder bleiben brav in der Spur, und schon wenig später ist der Fluss in Sichtweite. Doch das Ziel ist noch nicht erreicht. Die Bodenbeschaffenheit gleicht nun jener, wie wir sie in Amazonien fürchten gelernt hatten: Der Regen hat sie in einen schmierseifenähnlichen Brei verwandelt. Mehr schleudernd als fahrend geht es durch das Schwemmland zur Anlegestelle. Noch einmal rutschen wir ab, und noch einmal läuft der Zwischenfall glimpflich ab. Erleichtert erreichen wir schliesslich das Ufer und sehen dort auch bereits die Fähre auf uns zutuckern."

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