Bild- und Textausschnitte Australien

Gemütlich geht’s der Küste entlang nordwärts. Schon bald stellen wir erfreut fest, dass Australien ein wahres Camperparadies ist. Es gibt viele Nationalparks oder State-Forests, wo sich wunderschöne, in die Natur integrierte Campingplätze befinden. Dann verfügt aber auch fast jeder Ort über einen oder mehrere private Campingplätze, welche aber nicht dasselbe Naturerlebnis bieten können. Diese Plätze fahren wir hin und wieder an, wenn die Wäsche eine Reinigung nötig hat. Oft übernachten wir aber auch einfach entlang der Strasse, auf sogenannten ‘Rest Areas’. Diese Rastplätze sind meistens mit Tischen, Bänken, Feuerstellen und sauberen Toiletten ausgestattet, und das alles zum Nulltarif. Am Abend brennt denn auch jeweils ein knisterndes Lagerfeuer, und darüber brutzelt ein saftiges Steak. Für ein Kilo erstklassiges Rindfleisch bezahlt man lediglich etwa zehn Franken.

Cooktown ist für uns der nördliche Wendepunkt. Etwa dreihundert Kilometer müssen wir wieder auf derselben Schotterpiste zurückfahren. Erst dann nimmt uns ein Asphaltband auf. Aber nur für kurze Zeit, denn schon bald zweigen wir wieder auf eine Piste ab, die zwar schwieriger als die komfortable Teerstrasse zu befahren, dafür aber umso reizvoller und nicht zu letzt auch eine Abkürzung ist. Die rote Sandpiste führt schnurgeradeaus bis zum Horizont. Ab und zu passieren wir eine abgelegene Farm. Viele Termitenhügel, rotfarben wie die trockene Erde, erheben sich bis zu zwei Meter hoch. Bei einer Rast bemerke ich, dass die Bremswirkung unseres Autos gleich Null ist. Nun leuchtet auch die Bremskontrollampe auf, was heisst, dass ein Bremskreis infolge Bremsflüssigkeitsverlust ausgefallen ist.

Vorsichtig fahren wir weiter. Hindernisse gibt es ja kaum. Die Strasse führt weiterhin, wie mit einem Lineal gezogen, durch die menschenleere Gegend. Andere Fahrzeuge haben wir seit Stunden keine mehr gesehen. Am Abend gelangen wir an einen einsamen Nationalpark mit einem Campingplatz, auf dem sich ausser einer Känguruhfamilie niemand befindet. Ich krieche unters Auto, um den Schaden zu begutachten. Durch das ewige Vibrieren über Hunderte von Kilometern auf Schotter-, Sand- und Erdpisten ist eine Bremsleitung an der Hinterachse gerissen. Wir bauen sie mehrmals aus und ein und versuchen sie mit verschiedenen Mitteln abzudichten, doch es gelingt nicht. Dafür muss ich gleich noch andere Defekte feststellen: Das in Indien angefertigte Federblatt ist auch wieder gebrochen, und ein leises Zischen am Hinterrad kündigt nach vierzigtausend Kilometern den ersten Plattfuss an. Ein bisschen viel auf einmal, nach so langer pannenfreier Fahrt!

Am späten Nachmittag fahren wir zum Sunset-View und beobachten das Farbenspiel. Das Wetter ist für die Jahreszeit erstaunlich kühl und regnerisch, und der Ayers Rock liegt in blassem Graurot vor uns. Dann bricht plötzlich die Sonne durch, und ein herrlicher Regenbogen wölbt sich über den leuchtendroten Berg. Die Farben wechseln nun je nach Sonneneinstrahlung von grau und blau über die verschiedensten Rottöne. Der Parkplatz füllt sich immer mehr, und Kameras klicken und surren.

In der Nacht hat es stark geregnet. Riesige Pfützen, wo man hinschaut. Die Sonne scheint aber zeitweise schon wieder. Grund genug, zu den dreissig Kilometer entfernten Olgas aufzubrechen. Die dunkelrote Wellblech- und Sandpiste hat sich durch die Regenfälle in einen Schlammpfad verwandelt. Hohe Fontänen von rotem Schlammwasser werden von den Rädern emporgeschleudert, der Wagen schlingert wie auf Schnee. Ein uns folgender Kleinbus gibt die Fahrt bald einmal auf und kehrt um. So begegnen uns kaum noch andere Fahrzeuge. 

Näher und näher kommt das Gebirge, das aussieht, als würde es aus unförmigen Steineiern bestehen. Nebelschwaden wälzen sich über die runden, glatten Felsen. Kein Mensch ist zu sehen. Ein wirklich eindrückliches Szenarium. Dann bricht der Himmel auf, und die Sonne setzt diese eigenartige, regennasse Landschaft in gleissendes Licht.

Wieder zurück in Yulara, hat unser Auto eine neue Farbe: Aus weiss wurde rot. Auf dem weiten Weg nach Coober Pedy wird unsere neue Abenteuer-Look-Bemalung oft bestaunt.

Die Vegetation wird wieder üppiger, die Landschaft grüner. Man passiert dann die Gegend um Kalgoorlie, wo Ende des letzten Jahrhunderts wiederum ein Goldrausch stattfand. Zahlreiche verlassene Minen und Geisterstädte zeugen davon. In Kalgoorlie selbst sind aber immer noch einige Goldminen in Betrieb. Unser Weg führt aber südwärts, an die Küste bei Esperance. Schneeweisser Strand und fantastisch blaues und klares Wasser würden hier zum Baden verlocken, doch mittlerweilen macht sich der Herbst bemerkbar, und es ist schon ziemlich kühl. Auf dem Campingplatz besuchen uns wiederum zahme Känguruhs und wollen am Frühstück teilhaben. Im Ort Esperance wird auf einem langen Holzsteg eifrig gefischt. Man zerlegt den Fang gleich vor Ort und wirft die Fischeingeweide zurück ins Wasser, sehr zur Freude eines überaus vielgefrässigen Seehundes.

Nur ein kleiner Umweg ist für den Besuch des eindrücklichen "Wave Rock" nötig, und dieser lohnt sich auf jeden Fall. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um eine Sandsteinformation, welche wie eine riesige, sich überschlagende Welle aussieht. Der "Wellenstein" ist fünfzehn Meter hoch, rund einhundert lang und um die zweieinhalb Millionen Jahre alt.

Wir sind von einer grossen Befriedigung erfüllt, etwas gemacht zu haben, wovon wohl viele Menschen träumen, es aber dabei belassen. Dass ein derartiges Abenteuer auch von einem Querschnittgelähmten relativ problemlos zu meistern ist, soll Behinderte und Nichtbehinderte dazu aufmuntern, sich solche Träume zu erfüllen.

 

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